Was fehlt wirklich · Teil 3 von 5

Selbst-Gap · Teil 2: Der innere Widerstand — wenn Wollen und Tun auseinanderdriften

Der dritte Baustein im AFS-Modell — der zweite von drei Teilen der Selbst-Gap-Serie: der Unterschied zwischen dem, was du willst, und dem, was du tatsächlich tust.

Von Mario Herold · Veröffentlicht am · Aktualisiert am · ca. 6 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Wenn der nächste Schritt klar ist — nicht kompliziert, oft in wenigen Minuten erledigt — und trotzdem nicht passiert, ist das meist kein Wissensproblem und selten Faulheit. Es ist innerer Widerstand: die Lücke zwischen dem, was du willst, und dem, was du tatsächlich tust. Anders als beim Selbstbild geht es hier nicht darum, ob du dir etwas zutraust — du kannst genau wissen, dass du es kannst, und trotzdem an derselben Stelle hängen bleiben. Widerstand zeigt sich in drei Formen: dem Widerspruch zwischen dem Rat, den du anderen gibst, und dem, was du selbst tust; einer Bremse kurz vor dem eigentlichen Schritt; und einem Zielkonflikt zwischen zwei echten, aber gegensätzlichen Wünschen.

Definition: Der Selbst-Gap (Teil 2 — Innerer Widerstand)

Was den inneren Widerstand ausmacht

Der Selbst-Gap bezeichnet die Lücke zwischen dem, was du weißt und kannst, und dem, was du davon tatsächlich in Handeln übersetzt. Er zeigt sich in drei Formen: Selbstbild, innerer Widerstand (dieser Artikel) und fehlende Richtung. Innerer Widerstand betrifft den Unterschied zwischen Wollen und Tun — unabhängig davon, ob du dir die Sache eigentlich zutraust. Der Selbst-Gap ist der dritte von drei Bausteinen im AFS-Modell.

Drei Formen, in denen sich Widerstand zeigt

Der Rat-Tu-Widerspruch

Du würdest jeder anderen Person in deiner Situation sofort raten, den Preis zu erhöhen, den Post zu veröffentlichen, das Gespräch zu führen. Bei dir selbst passiert genau das nicht. Dieser Widerspruch zeigt, dass das Wissen längst da ist — es fehlt nicht die Einsicht, sondern die Umsetzung bei dir selbst.

Typisch dafür: du gibst einer befreundeten Person in fünf Minuten einen klaren, guten Rat zu genau demselben Problem, das bei dir selbst seit Wochen liegen bleibt.

Die Bremse kurz vor dem Ziel

Ein Launch ist fertig vorbereitet, und genau dann verschiebt er sich, zum zweiten oder dritten Mal. Der Widerstand taucht fast immer kurz bevor etwas tatsächlich passieren würde auf — als würde ein innerer Mechanismus genau in dem Moment eingreifen, in dem es ernst wird.

Manchmal subtiler: plötzlich fällt eine dringende administrative Aufgabe auf, die „vorher noch schnell" erledigt werden muss — im Timing auffällig genau vor dem unangenehmen Schritt platziert.

Der Zielkonflikt

Zwei Dinge, die sich beide echt anfühlen, aber gegeneinander stehen: der Wunsch nach mehr Umsatz und Sichtbarkeit — und gleichzeitig die Sorge, was mehr Erfolg oder mehr Verantwortung eigentlich bedeuten würde. Beide Seiten sind echt, was das Wollen kompliziert macht.

Sichtbar wird das oft an einem Erfolg, der eigentlich Grund zur Freude wäre, aber gedämpft ankommt — begleitet von einem leisen „und jetzt muss ich das nächste Mal wieder liefern".

Warum das selten Faulheit ist

Widerstand fühlt sich für viele wie ein Charakterfehler an — als würde er beweisen, dass du nicht diszipliniert genug bist. Das trifft die Sache aber selten. Reine Faulheit sieht anders aus: sie ist gleichmäßig, betrifft fast alles, kennt keine Ausnahmen. Der hier beschriebene Widerstand ist dagegen sehr gezielt — er taucht bei ganz bestimmten Handlungen auf, während andere, teils anstrengendere Aufgaben völlig problemlos erledigt werden.

Diese Gezieltheit ist der wichtigste Hinweis: wenn du stundenlang konzentriert an einer komplizierten Tabelle arbeiten kannst, aber eine einzige kurze Nachricht mit einem Preis nicht abschickst, ist das kein Motivationsproblem, sondern ein Signal, dass genau diese eine Handlung mit etwas verbunden ist, das unangenehm genug ist, um sie zu vermeiden.

Ein einfacher Test

Schreib dir für eine Woche auf, welche Aufgaben du aufschiebst und welche nicht. Verteilt sich das Aufschieben gleichmäßig über verschiedenste Aufgaben, oder zeigt sich immer wieder dasselbe Muster bei bestimmten Handlungen?

Was tatsächlich dahintersteckt

Bei den meisten Formen von Widerstand im Business-Kontext geht es nicht um die Handlung selbst, sondern um das, was diese Handlung im Kopf bedeutet. Ein Preisgespräch ist objektiv fünf Minuten. Was dahintersteckt, kann sehr viel größer sein: die Sorge vor einem Nein, die Sorge, als gierig wahrgenommen zu werden, die Sorge, dass ein Nein etwas über den eigenen Wert aussagt statt nur über dieses eine Angebot an diesem einen Tag.

Diese imaginierte Reaktion ist dabei fast nie eine realistische Vorhersage. Sie ist meist eine Zusammenstellung der kritischsten Stimmen, die du je gehört hast, gebündelt in eine einzige innere Stimme, die lauter ist als jede reale Reaktion, die tatsächlich je eingetreten ist.

Der Widerstand richtet sich selten gegen die Handlung an sich, sondern gegen die imaginierte Reaktion darauf.

Ein erster, realistischer Schritt

Der Impuls, Widerstand mit reiner Willenskraft zu überwinden, führt selten weit — du kannst dich eine Weile durchbeißen, aber das Muster kommt beim nächsten Mal zuverlässig wieder. Wirksamer ist ein anderer Ansatz: die Handlung, bei der der Widerstand am größten ist, kurz vorher konkret benennen. Nicht „ich will das jetzt endlich schaffen", sondern „gleich kommt der Moment, in dem ich normalerweise ausweiche — was ist die eine kleinste Version dieser Handlung, die ich trotzdem tun kann".

Oft hilft es, die Handlung kleiner zu machen, als der Widerstand es verlangt. Nicht „das komplette Verkaufsgespräch führen", sondern „die Nachricht schreiben, die zum Gespräch einlädt". Ein weiterer Ansatz, der bei starkem Zielkonflikt hilft: beide Seiten laut aussprechen, statt nur eine davon zu verfolgen. Sobald beide Seiten benannt sind, verlieren sie oft einen Teil ihrer Macht — nicht weil das Problem gelöst wäre, sondern weil ein unbewusster Konflikt aufhört, unbewusst zu sein.

Kurzer Check für dich

Gibt es eine bestimmte Handlung, bei der sich das beschriebene Muster wiederholt — immer dieselbe Art von Aufschieben, während andere Dinge dir leichtfallen?

Eine wichtige Anmerkung

Widerstand ist kein Zeichen von mangelndem Willen, und er verschwindet auch nicht automatisch mit mehr Erfahrung — erfahrene Selbstständige kennen ihn genauso wie Einsteiger, nur oft bei anderen Handlungen. Er ist eine sehr menschliche Reaktion auf Situationen, in denen etwas auf dem Spiel steht, das einem wichtig ist. Genau das macht ihn auch zu einem guten Zeichen: Widerstand entsteht selten bei Dingen, die einem egal sind. Wo Widerstand ist, ist meistens auch echtes Wollen — sonst gäbe es nichts, gegen das sich etwas sträuben könnte.

Häufige Fragen

Was ist der Rat-Tu-Widerspruch?

Du würdest jeder anderen Person in deiner Situation sofort raten, den Preis zu erhöhen oder das Gespräch zu führen — bei dir selbst passiert genau das nicht. Der Widerspruch zeigt, dass das Wissen längst da ist; es fehlt nicht die Einsicht, sondern die Umsetzung bei dir selbst.

Warum verschiebt sich ein Launch oder ein Verkaufsgespräch immer wieder kurz vor dem eigentlichen Schritt?

Das ist die Bremse kurz vor dem Ziel: Der Widerstand taucht fast immer kurz bevor etwas tatsächlich passieren würde auf, als würde ein innerer Mechanismus genau in dem Moment eingreifen, in dem es ernst wird.

Wie unterscheide ich inneren Widerstand von echter Faulheit?

Reine Faulheit ist gleichmäßig und betrifft fast alles. Widerstand ist dagegen sehr gezielt: er taucht bei ganz bestimmten Handlungen auf, während andere, teils anstrengendere Aufgaben problemlos erledigt werden. Ein Test: eine Woche lang aufschreiben, welche Aufgaben aufgeschoben werden und welche nicht.

Wogegen richtet sich innerer Widerstand eigentlich?

Selten gegen die Handlung an sich, sondern gegen die imaginierte Reaktion darauf — meist eine Zusammenstellung der kritischsten Stimmen, die man je gehört hat, gebündelt in eine innere Stimme, die lauter ist als jede reale Reaktion, die je eingetreten ist.

Was hilft konkret gegen inneren Widerstand?

Die Handlung, bei der der Widerstand am größten ist, kurz vorher konkret benennen und sie kleiner machen, als der Widerstand es verlangt. Bei einem Zielkonflikt hilft es zusätzlich, beide Seiten laut auszusprechen, statt nur eine davon zu verfolgen.

Auch beim Thema Sichtbarkeit zeigt sich oft genau dieser Widerstand — der Post bleibt liegen, obwohl er fertig ist. Sichtbarkeit ist der vierte Gap im AFS-Modell.

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Wo du jetzt ansetzen kannst

Diesen Widerstand bei sich selbst zu erkennen ist schwerer, als es klingt, gerade weil er sich meist als etwas anderes tarnt — als fehlende Zeit, als noch nicht fertiges Angebot, als „das mache ich morgen in Ruhe". Der kostenlose Check „Was fehlt wirklich" bezieht auch diesen Block mit ein und hilft dabei einzuordnen, ob bei dir gerade wirklich der Widerstand der größte Engpass ist, oder ob er sich nur so anfühlt, weil er das lauteste der drei Muster im Selbst-Gap ist. Der letzte Teil dieser Serie behandelt die fehlende Richtung.

Falls der Check hier nicht lädt: direkt öffnen unter s6a-wfw-web-app.solostarter.one.

Dieser Artikel wurde am veröffentlicht und zuletzt am aktualisiert. Er ist Teil 3 der fünfteiligen Serie „Was fehlt wirklich" (Selbst-Gap, Teil 2 von 3) und behandelt den inneren Widerstand als zweiten von drei Aspekten des Selbst-Gap im AFS-Modell von SoloStarter.ONE.

Mario Herold, Gründer von SoloStarter.ONE

Über den Autor

Mario Herold stellt auf SoloStarter.ONE Diagnose-Tools für Infoprodukt- und Kurs-Ersteller bereit, die er als Gründer des Brands AI-Espresso entwickelt. Mehr auf LinkedIn.